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© 2020 Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht Ostschweiz

Nachruf für Hannelore Fuchs - Stärkle

Hannelore war das Herz, die Seele und der Motor der Beobachtungsstelle!

Juli 1936 - Februar 2020

Mit schwerem Herzen mussten wir im vergangenen Monat von unserer langjährigen geschätzten Präsidentin Hannelore Fuchs Abschied nehmen. Bis zu ihrem letzten Tag war Hannelore eine unermüdliche Kämpferin für die Rechte der verletzlichsten Menschen in unserer Gesellschaft.

Ihre langjährige Erfahrung in der Ausübung des Rechts - als Richterin am Kassationsgericht, in der Anwaltskanzlei „Anwälte 44“ sowie als Präsidentin der Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht Ostschweiz (Beobachtungsstelle) - machte Hannelore zu einer Expertin mit umfassendem Wissen in verschiedenen Bereichen der Gesetzgebung und mit einem unübertroffenen Mass an Berufsethik.

Gerechtigkeit war für Hannelore ein sehr hoher Wert, dafür hat sie sich unermüdlich eingesetzt, wenn nötig, auch gegen Windmühlen.

Hannelore widmete viele Jahre ihres Lebens dem Kampf für die Frauenrechte, in Zeiten, in denen Unterwerfung und zugewiesene Familienrollen die allgemeine Norm waren. Sie war massgeblich daran beteiligt, dass die Frauen im Kanton Appenzell Innenroden 1990 das kantonale Stimmrecht erhielten.

Die St. Galler Anwaltskanzlei „Anwälte 44“ hat sie 2007, also im Alter von 71 Jahren, offiziell verlassen, aber selbstverständlich hat sie sich nie zur Ruhe gesetzt – das kam für sie nie in Frage, denn es gab und gibt ja immer noch so viel zu tun.

Mandate, die ihr wichtig erschienen, hat sie als Rechtsanwältin weitergeführt und zuweilen auch neue angenommen, und ihr letzter grosser Mandant – und damit auch ganz viele Flüchtlinge und MigrantInnen - war die Beobachtungsstelle.

Im Jahr 2008 hat Hannelore das Präsidium der Beobachtungsstelle übernommen und sich seither als Juristin mit selbstlosem Engagement für die betroffenen Menschen eingesetzt. Hannelore war das Herz, die Seele und der Motor der Beobachtungsstelle.

Die Beobachtungsstelle hat in ihren Anfängen in St. Gallen hauptsächlich Fälle des Asyl- und Ausländerrechts analysiert und dokumentiert und diese JuristInnen und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diese Fälle dienten als Grundlage für verschiedene thematische Fachberichte, welche die Beobachtungsstelle über die Jahre publizierte.

Auf Grund der tiefgreifenden strukturellen Veränderungen im St. Galler Asylwesen ab 2010 hat die Beobachtungsstelle sich jedoch zunehmend politisch ausgerichtet und die besonderen Asylstrukturen im Kanton St. Gallen in den Medien und an Podiumsveranstaltungen immer wieder öffentlich kritisiert. Im Kanton St. Gallen wurde 2010 die Flüchtlingsbetreuung vom Kanton und den Hilfswerken weggenommen und an einen privaten Verein der St. Galler Gemeindepräsidenten übertragen. In der Vergangenheit haben die ExponentInnen dieses Vereins, und mit ihnen verschiedene Sozialämter in den Gemeinden, immer wieder willkürlich agiert.

Es ging und geht der Beobachtungsstelle aber auch noch um vieles mehr, so zum Beispiel um qualitativ hochwertigen Deutschunterricht für Migrantinnen und Flüchtlinge, um die korrekte Umsetzung der vielen Gesetzesänderungen im Asyl- und Ausländerrecht. Und immer wieder geht es um konkrete Einzelfälle.

Ein besonderes Augenmerk gilt der korrekten Unterbringung und Beschulung von minderjährigen Asylsuchenden im Kanton St. Gallen. Mit grosser Leidenschaft hat Hannelore deshalb das Buchprojekt „Porträts von Unbegleiteten Minderjährigen Asylsuchenden“ initiiert. Dieses Buch wird im Andenken an Hannelore voraussichtlich 2020/21 veröffentlicht.

Hannelore war ihrer Zeit stets voraus und hat das Leben von hunderten von Menschen positiv geprägt. Die Mission der Beobachtungsstelle, für eine Welt einzustehen, in welcher Menschrechte für alle gelten, trug sie in ihrem Herzen.

Wir sind dankbar für die wertvolle und schöne Zusammenarbeit. Möge das, wofür du, Hannelore, gelebt hast, weiterhin eine treibende Kraft für uns bleiben. Danke Hannelore, wir vermissen dich.